Europäischer Wels

Der Europäische Wels (Silurus glanis), auch einfach Wels oder Waller genannt, ist der größte Süßwasserfisch Europas!

Der Wels erreicht eine Länge von bis zu 300 cm, ein Gewicht von 200 kg und kann bis zu 80 Jahre alt werden.
Anmerkung: Störe werden noch größer, sind aber keine reinen Süßwasserfische.

Wels - Waller - Silurus glanis

Wels - Waller - Silurus glanis

Wels - Vorkommen - Verbreitung

Der Wels (Silurus glanis) ist in weiten Teilen Mitteleuropas sowie Osteuropas bis nach Zentralasien heimisch. Spanien und Italien zählen nicht zum natürlichen Verbreitungsgebiet des Welses, wenngleich dort, vor allem im Ebro und Po, mittlerweile eine enorme Menge großer Welse vorkommen. Erst in den 1970er Jahren wurden Welse im Po und Ebro besetzt, im südlichen Frankreich im Bereich der Rhone bereits um 1850.

Der Europäische Wels bevorzugt tiefe, langsam fließende Flüsse, die im Sommer eine Temperatur von über 20 Grad Celsius erreichen sowie warme Seen. Die Wasserqualität und der Sauerstoffgehalt ist für den Wels hingegen nicht so wichtig. Im Bereich von Flussmündungen kommt der Wels auch bis ins Brackwasser vor. Das Temperaturoptimum des Welses liegt bei 25 bis 27 Grad Celsius, niedrigere Wassertemperaturen verträgt der Wels, allerdings kann das Wachstum dann eingeschränkt sein kann.


Wels - Merkmale

Der Wels ist ein überwiegend nachtaktiver Fisch und sehr gut an diese Verhaltensweise und Umgebung angepasst.

Welse sind stämmige Fische mit langgestrecktem Körper, haben einen relativ flachen Kopf mit einem breiten Maul.
Der Kopf macht in etwa 20 Prozent der Gesamtlänge des Fisches aus. Die Augen des Welses sind relativ klein. Der Wels verfügt über zwei lange, knorpelverstärkte, hoch bewegliche Barteln am Oberkiefer sowie vier kürzere unbewegliche Barteln am Kinn. Die vorderen Nasenöffnungen sind deutlich erkennbar und liegen zwischen den Oberkieferbarteln auf selber Höhe. Die hinteren Nasenöffnungen liegen dicht dahinter und sind ebenfalls gut entwickelt. Der Wels (Silurus glanis) verfügt über viele kleine, nach hinten gerichtete, scharfe Zähne, welche in mehreren Reihen hintereinander angeordnet sind.

Welsmaul mit Zähnen
Bild: Der Wels hat viele kleine scharfe Zähne.
Wels marmoriert
Bild: Wels mit marmorierter Färbung.

Die Körperoberseite von Silurus Glanis ist meist dunkel und reicht von schwarz über dunkelbraun bis dunkelolivgrün, oft zusätzlich auch noch marmoriert. Die Seiten sind heller, die Bauchseite ist hell bis weißlich gefärbt. Es kommen beim Wels auch einfarbige, schwarzblaue sowie albinotische Exemplare vor.

Der Körper ist im vorderen Bereich kräftig gebaut und hat einen eher runden Querschnitt, im hinteren Bereich ist er seitlich abgeflacht und schlanker. Eine vollständig entwickelte Seitenlinie (Seitenlinienorgan), mit welcher der Fisch schon kleinste Druckunterschiede fühlen kann, verläuft entlang der Flanken.

Die Haut von Welsen ist vollständig schuppenlos, glatt und schleimig.

Die Brustflossen sind groß und kräftig und reichen bis zum Ansatz der Bauchflossen. Die Rückenflosse befindet sich am Ende des ersten Körperdrittels und ist sehr klein. Die Afterflosse ist lang und verläuft langgestreckt bis zur Schwanzflosse, die beiden Flossen sind aber nicht miteinander verbunden.

Wels - Geschlechtsunterschied:

Männliche Welse sind bei gleichem Alter meist etwas länger als weibliche Tiere, alte Männchen weisen meist einen kantigeren Oberkiefer auf. Die Weibchen sind schwerer und haben besonders vor der Laichzeit einen erkennbar geschwollenen Unterleib.
Beim Männchen ist die Afteröffnung schmaler, mit zugespitzter, leicht gerunzelter Geschlechtswarze, die des Weibchens ist ovaler, geschwollen und endet gerundet.

Wels - Fortpflanzung

Als wärmeliebender Fisch ist für die Fortpflanzung des Welses die Wassertemperatur entscheidend!

In Mitteleuropa fällt die Laichzeit meist in die Monate Mai bis Juli. Die Wassertemperatur sollte dann 18 bis 22 Grad Celsius betragen, unter 18 Grad laicht der Wels (Silurus glanis) in der Regel nicht ab. Bleibt es in einem Jahr zu kalt, kann sich der Rogen zurückbilden und der Wels nimmt in dieser Zeit nur wenig Nahrung zu sich.

Der männliche Wels bereitet meistens einen Laichplatz vor, indem er in flachen Uferbereichen mit Schwanzschlägen eine Mulde (Laichgrube) ausspült und danach mit seinem Maul Pflanzenmaterial an den Untergrund drückt.
Die Paarung findet meist in den Abendstunden oder nachts statt und dauert in der Regel ein bis zwei Stunden.
Das Welsweibchen legt die Eier zur Fortpflanzung in der Laichgrube ab, wo sie vom Mänchen befruchtet werden.
Je nach Größe und Ernährungszustand des Weibchens werden pro Kilogramm Körpergewicht 20.000 bis 25.000 Eier mit einem Durchmesser von 1,4 bis 2 Millimeter produziert. Nach der Befruchtung schwellen die klebrigen Eier an und erreichen bis zum Schlüpfen einen Durchmesser von bis zu 4,5 Millimeter.

Das Männchen bewacht das Gelege bis zum Schlüpfen der Brut und fächelt regelmäßig frisches Wasser mit der Schwanzflosse hinzu.

Abhängig von der Wassertemperatur schlüpfen die Larven nach 2 bis 3 Tagen.
Weitere 2 bis 3 Tage später, beginnen die vorerst hilflosen und lichtempfindlichen Larven sich aktiv zu bewegen.
Nach ca. 8 weiteren Tagen ist der Dottersack aufgebraucht und die Larven beginnen Nahrung zu suchen.
Nach ca. 20 Tagen haben die jungen Welse eine Länge von 2,2 bis 2,5 Zentimeter erreicht und wandeln sich von der Larve zum Fisch. Bis zu diesem Zeitpunkt haben sie sich überwiegend von Insektenlarven, Krebstieren und Zooplankton ernährt. Jetzt beginnen sie auch bereits anderer Fischbrut nachzustellen.
Bei Nahrungsmangel kommt es unter den kleinen Welsen auch zu Kannibalismus.

Wels Nachwuchs
Bild: Dieser 15 cm Wels ging auf 3 Blutegel.

Bereits im ersten Jahr erreichen die kleinen Welse eine Länge von durchschnittlich 20 bis 30 cm, je nach Nahrungsangebot auch maximal 50 cm und bis zu 500 Gramm Gewicht.
Die Geschlechtsreife erreicht der Wels (Silurus glanis) meist mit 3 bis 4 Jahren bei einem Gewicht von 1 bis 2 kg und einer Länge von ca. 60 cm.

Vor allem kleine Welse sind sehr gefräßig und können in manchen Gewässern im Sommer fast als nächtliche Plage für Fischer betrachtet werden.

Wels - Nahrung

Der Europäische Wels ist im Prinzip ein Allesfresser!

Welse (Silurus glanis) ernähren sich von lebenden und toten Fischen, Würmern, Egeln, Schnecken, Muscheln, Krebsen, Fröschen und gelegentlich auch von Wasservögeln und sogar von kleinen Säugetieren.
Speziell in der warmen Jahreszeit, fressen auch große Welse kleine Beute bzw. alles, was ihnen vor das Maul kommt.


Wels - Aktivität

Welse / Waller sind wärmeliebende, überwiegend dämmerungs- und nachtaktive Raubfische.

Die Aktivität von Welsen ist im Jahresverlauf stark von der Temperatur und der Verfügbarkeit von Beute abhängig.
Welse reagieren auch empfindlich auf Schwankungen der Wassertemperatur. Sinkt die Wassertemperatur rasch, wird der Wels passiv. Steigt die Temperatur schnell an, so steigert sich die Aktivität von Welsen wie bei kaum einer anderen Fischart.

Wels im Winter

Bei einer Wassertemperatur von unter 10 Grad Celsius sind Welse in der Regel sehr träge. Dies hängt auch mit der Verdauung zusammen, denn bei kaltem Wasser dauert es für den Wels ~ 200 Stunden, bis eine Mahlzeit verdaut ist.
Lediglich ein kurzfristiger Temperaturanstieg um einige Grad weckt um diese Jahreszeit manchmal die Fresslaune für kurze Zeit. Die Fische halten sich in dieser Zeit meist am Gewässergrund in größerer Tiefe auf.

Wels im Frühjahr

Steigt die Wassertemperatur auf über 10 Grad Celsius, bekommt der Wels nach längerer Fresspause langsam wieder Appetit, um die Fettreserven wieder aufzubauen. Sie kommen jetzt von den tieferen Stellen auch wieder in flache Uferbereiche, da sich das Wasser dort meist schneller erwärmt. In dieser Zeit bevorzugen sie eher kleine Beute.
Steigt die Wassertemperatur auf über 13 Grad, beginnen die Welse mit dem Laichaufbau. Dazu müssen sie eine große Menge an Nahrung zu sich nehmen. Bei über über 16 Grad Wassertemperatur sind Welse schon sehr aktiv. Steigt die Wassertemperatur auf über 18 bis 22 Grad Celsius steht die Laichzeit unmittelbar bevor und die Welse fressen in dieser Zeit weniger.
Wels
Bild: Im Sommer sind vor allem auch kleine Welse sehr gefäßig!

Wels im Sommer

Einige Tage nach der Eiablage beginnen die Welse wieder zu fressen und nehmen in den folgenden Wochen wieder relativ viel Nahrung zu sich. Im Gegensatz zur kälteren Jahreszeit legen sie bei der Futtersuche nun auch weitere Strecken zurück. Vor allem auch kleine und frisch geschlüpfte Welse sind zu dieser Jahreszeit sehr gefräßig. Bei ~25 Grad Wassertemperatur verdaut ein Wels seine Nahrung in unter 24 Stunden, dementsprechend groß ist der Bedarf an Nachschub.

Wels im Herbst

Im frühen Herbst sind Welse sehr aktiv und der Stoffwechsel läuft noch auf vollen Touren. Desto kälter es wird desto mehr läßt dies nach und die Welse ziehen sich an tiefere Stellen zurück. Größere Welse müssen länger Nahrung zu sich nehmen um sich ausreichend Winterreserven anzulegen.
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